Sebastian Menzke (D)
Was wir sehen, ist nie nur das, was vor uns liegt.
Im April 2007 fragte David Signer* den Schriftsteller und Religionskritiker Karlheinz Deschner, ob ihn – als einen Menschen, der vermutlich nicht an das ewige Leben glaubt – die Endgültigkeit des Todes beschäftige. Die Antwort des scharfsinnigen Denkers und Aphoristikers fiel ebenso schlicht wie eindringlich aus:
„Ja. Diese Fragen beschäftigen mich. Ich bin alt. Es wird dunkel – und Licht ist meine Lieblingsfarbe. Doch lieber möchte ich in tausend Zweifeln sterben als um den Preis der Lüge in der Euphorie.“
„Licht ist meine Lieblingsfarbe“ – ein Satz von berückender Poesie, der in seiner scheinbaren Einfachheit fast schwerelos zwischen philosophischer Tiefe und physikalischer Unmöglichkeit hin- und hertänzelt. Ein Satz, der weit mehr ist als eine melancholische Pointe am Abend eines langen Lebens.
Ein Satz wie eine Liebeserklärung an das Flüchtige selbst.
Seit Jahrtausenden versuchen Künstlerinnen und Künstler, dieser Vergänglichkeit eine Gestalt zu verleihen, dem Unbegreiflichen eine räumliche Ordnung abzuringen und Licht zu malen, das sich doch jeder festen Form entzieht. Heute wissen wir, dass das, was wir gemeinhin als Licht bezeichnen, eigentlich elektromagnetische Strahlung ist, die unser Auge nur in einem schmalen Ausschnitt wahrzunehmen vermag. Wir wissen auch, dass Farbe erst dort entsteht, wo Licht auf Materie trifft. Doch so präzise die Naturwissenschaften auch sein mögen: Wo es um das tiefere Empfinden geht, bleiben Erklärungen abstrakt. Und so bleibt die Faszination für diese romantischste aller Farben ungebrochen.
Licht ist auch die Lieblingsfarbe von Sebastian Menzke. Download Text.
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